Würzburg bekommt sein erstes verpackungsfreies Geschäft

Mülldeponien in Afrika, schwimmende Plastikmüllinseln auf unseren Meeren, dass wir unseren Planeten zunehmend vermüllen, ist mittlerweile weit bekannt. Im letzten Jahr hat der Deutsche pro Kopf 617kg Müll produziert, eine schier unglaubliche Zahl, die weit über dem europäischen Durchschnitt liegt. Doch wenn ich sehe, wie viel Verpackungsmüll ich allein nach einem Einkauf wegwerfe, scheinen die 617kg nicht mehr ganz so unglaublich. Deshalb war ich richtig begeistert, als ich gesehen habe, dass in der Würzburger Sanderstraße auch endlich ein Geschäft eröffnet, das gänzlich ohne Einwegverpackungen auskommen wird. Aber wie sieht sowas eigentlich aus? Gestern habe ich die Gelegenheit genutzt und dem Tante Emmer Laden einen kleinen Besuch abgestattet. Trotz geschäftigen Treibens und knapper werdender Zeit hat sich Susanne Waldmann eine halbe Stunde für mich genommen und mir etwas zu ihrem Laden erzählt.

Wie kam es zu Tante Emmer?

„Ich habe schon immer versucht, ökologisch, vollwertig und nachhaltig zu leben, was im Alltag nicht immer leicht ist. Und mit so einem Laden wird’s leichter“, erzählt mir Susanne Waldmann, die morgen den ersten Unverpackt Laden in Würzburg eröffnen wird. Anfang letzten Jahres hat sie einen Artikel über einen solchen Verpackungsfreien Laden gelesen und als dann noch eine Freundin von ihr meinte, „na, wär das nicht was für dich?“, war das die Initialzündung. Nach einem Besuch bei Unverpackt Mainz war ihr dann klar, „das ist mein Ding“ und dieses Ding wird morgen Wirklichkeit.

Was unterscheidet den Tante Emmer Laden von anderen Supermärkten?

„Er ist klein und persönlich“ erklärt Susanne; wie bei den alten Tante Emma Läden kenne man sich einfach. „Und wir sind ökologisch und sparen einfach eine ganze Menge Verpackung, und das ist ganz wichtig. Wir sind jetzt nur ein kleiner Laden, aber je mehr es von und gibt, desto mehr können wir erreichen.“

Alles Bio?

„Soweit wie möglich; es gibt einfach Produkte wie Meersalz, Birkenzucker oder Wildkräuter, bei denen eine Biozertifizierung schwer möglich ist“, klärt mich Susanne auf. Alles was sie in Bio bekommt, holt sie auch in Bio und versucht ihre Produkte so nah wie möglich zu beziehen. Sie kennt viele Landwirte aus der Region und so kommen Obst und Gemüse aus dem Umkreis, die Eier aus Wittighausen und der Apfelsaft aus Margetshöchheim. Letztens habe sich ein Landwirt aus Wertheim bei ihr gemeldet, der sie ab nächstem Jahr voll beleifern kann. „ Wieder weniger, was ich von großen Bio-Lieferanten holen muss – es wächst“, freut sich Susanne und strahlt bei dem Gedanken, ein weiteres kleines Unternehmen zu unterstützen.

Was gibt es?

Von Trockenwaren wie Müsli, Nudeln, Reis, Nüssen, Mehl, Zucker und Trockenfrüchten über Gewürze, Kaffee und Schokolade hin zu frischem Obst und Gemüse, Eiern, Butter, Hartkäse, Milch und Joghurt gibt es eigentlich alles zu kaufen , was man für den täglichen Bedarf braucht. Sogar Drogerieartikel wie Shampoo, Seife und Bodybutter sowie Wasch- und Spülmittel gehören mit zum Sortiment. Zudem gibt es jeden Tag frische Brote und Brötchen von der Biobäckerei Thyen aus Versbach und die Kunden dürfen sich auch mal auf ein Tässchen Tee oder Filterkaffee zum Probieren freuen. Außerdem hat Susanne Wasser, Apfelsaft, Limonade und Eistee im Angebot, „wenn jemand doch mal Durst hat“.

Alles unverpackt?

So weit wie möglich! „Natürlich fallen bei der Lieferung Verpackungsmaterialeien an. Durch möglichst große Säcke und Gebinde sowie Verpackungsgefäße, die dem Lieferanten wieder mitgegeben und neu bestückt werden, versuchen wir schon bei der Lieferung so viel Verpackung wie möglich zu sparen“, erklärt Susanne. Auch im Laden selbst wird man vereinzelt Verpackungen finden, aber kein Einweg. So gibt es Milch und Joghurt in Pfandgläsern und auch Wasch- und Spülmittel werden aus Sicherheitsgründen nicht in mitgebrachte Flaschen gefüllt, damit sie zu Hause nicht versehentlich getrunken werden. Man kann sie in ausgewiesenen Flaschen erwerben und diese dann auch wieder befüllen lassen.

Wie kaufe ich hier ein?

Beim Einkauf im Tante Emmer Laden sollte man schon vorher überlegen was man kaufen möchte und dann lieber auf Verdacht ein oder zwei Dosen, Taschen oder Gläser mehr mitnehmen, man weiß ja nie…
Zuerst geht es dann zur Tarastation, die den einen oder anderen an die alten Supermarktwagen erinnern wird. Hier wiegt man nacheinander all seine Dosen, Tüten und Co. (am besten mit Deckel, der wird am Ende an der Kasse nämlich mitgewogen) und bekommt für jede ein Etikett mit dem entsprechenden Gewicht. Etikett draufkleben und die gewünschten Produkte aus den BPA-freien Kunststoffbehältern in der gewünschten Menge in die eigenen Behältnisse füllen. An der Kasse werden dann die Einkäufe gewogen und das Gewicht der Behältnisse wieder abgezogen.
Für Spontankäufer und die, die vielleicht doch etwas mehr kaufen wollen als gedacht, gibt es im Laden zwei Optionen. Sie können entweder Einmachgläser oder kompostierbare Dosen kaufen oder sich aus dem „von-Kunde-zu-Kunde-Regal“ bedienen. In diesem Regal kann man nicht nur seine alten (bitte gespülten) Einmachgläser für andere Kunden hinterlassen, sondern auch Rezepte austauschen, Marmeladenkochpartys oder Mixersharing organisieren… „ Das von-Kunde-zu-Kunde-Regal ist nicht meine Sache. Das Machen die Kunden unter sich aus“, meint Susanne Baumann und so sind den Kundenideen hier keine Grenzen gesetzt.

Für wen ist der Unverpackt Laden etwas?

Für alle, die dem Verpackungswahn trotzen wollen, für die Nachhaltigen und Umweltbewussten, für die Neugierigen und die Ausprobierfreudigen, für die, die keine vorgeschriebenen Portionen kaufen wollen, für die, die nicht den allerkleinsten Geldbeutel haben und die, die über ihren ökologischen Fußabdruck nachdenken, für die Individualisten und Lebensmittelliebhaber und für die, die eine persönliche, herzliche Einkaufsatmosphäre schätzen.
„Für hochgradige Allergiker ist Unverpackt leider nichts, da hier alles umgefüllt wird und so immer Spuren von anderen Nahrungsmitteln an die Produkte kommen können“, bedauert Susanne.

Ich halte den Tante Emmer Laden für einen echten Gewinn für Würzburg und ab morgen um 14 Uhr hat er von Montag bis Samstag für euch geöffnet. Also packt eure Tupperdosen und Einmachgläser ein und schaut ihn euch an.

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